Die Geschichte des Freistaates Sachsen

 

Die politische Entwicklung in Sachsen bis 1815




250.000 v. Chr. Erste Spuren frühmenschlichen Lebens im Elbe-Saale-Raum
5 Jh. v. u. Z. Beginn germanischer Einwanderung im heutigen Sachsen.
1. - 6. Jh u. Z. Im sächsischen Raum herrschen die Hermunduren, Teile West-
sachsens gehören zum Thüringerreich.
um 600 Slawische Besiedlung des späteren Sachsen setzt ein.
929 Anlage der Burg Meißen nach Niederwerfung der Daleminzer als
Vorposten deutscher Besiedlung inmitten slawischen Gebietes durch
den Sachsenherzog und deutschen König Heinrich I.
967 Heinrichs Sohn Otto I. gründet das Bistum Meißen, eine verstärkte
Christianisierung der Sorben setzt ein.
1089 Kaiser Heinrich IV. belehnt den Grafen Heinrich I. von Eilenburg aus
dem Hause Wettin mit der Mark Meißen. Die 800jährige Herrschaft
der Wettiner über sächsisches Gebiet nimmt ihren Anfang.
1180 Die Auflehnung Heinrichs des Löwen, Herzog von Sachsen, gegen
den deutschen Kaiser endet mit dem Sturz des Herzogs, der Auftei-
lung des Herzogtums und dem Übergang der sächsischen Kur-
fürstenwürde an den Askanier Bernhard von Anhalt.
ab 12. Jh. Erste Blüte von Wirtschaft und Kultur: 1165 erhält Leipzig das Stadt-
recht, ab 1168 wird im Erzgebirge Silber abgebaut. 1216 erhalten
Chemnitz und Dresden das Stadtrecht, und im Gefolge der wirt-
schaftlichen Entwicklung kommt es zu Einwanderungen und der
Gründung vieler neuer Ortschaften. Auseinandersetzungen mit den
deutschen Kaisern können die Wettiner schließlich mit der Schlacht
bei Lucka 1307 für sich entscheiden. Sie dehnen ihr Herrschaftsgebiet
aus.
1409 Die Universität Leipzig wird für aus Prag vertriebene deutsche Stu-
denten gegründet.
1423 Sächsische Kurwürde und Kurfürstentum gehen an den Markgrafen
von Meißen.
1485 Durch die "Leipziger Teilung" zerfällt die wettinische Herrschaft in
eine ernestinische und eine albertinische Linie. Als sächsischer Kern
kristallisiert sich in der Folgezeit die albertinische Linie heraus, die
zunächst über das nördliche Thüringen und die Mark Meißen herrscht
und Dresden als Residenz wählt.
1517 Mit dem Thesenanschlag Luthers in Wittenberg ist der Ausgangspunkt
der Reformation gesetzt. Der ernestinische Kurfürst Friedrich der
Weise gewährt Luther auf der Wartburg Obdach.
1547 Im Schmalkaldischen Krieg Kaiser Karls V. gegen die reformierten
Fürsten (zu denen zu diesem Zeitpunkt auch die ernestinische Linie
gehört) unterliegen letztere. Der Kurfürstentitel geht an die kaisertreue
albertinische Linie über.
1569 August Kurfürst von Sachsen erwirbt das Vogtland von den Herren
von Plauen zurück.
16. Jh. Sachsen entwickelt sich auf der Grundlage regen Handels, Gewerbes
und Bergbaus zu einem der reichsten deutschen Länder.
1618 - 1648 Sachsen wechselt im Dreißigjährigen Krieg das Panier: Anfangs neu-
tral, dann auf der schwedisch-protestantischen Seite, schließt das
Land nach dem Tode Gustav Adolfs Frieden mit den Kaiserlichen in
Prag und bekommt dafür die Lausitz zugesprochen. Der Friedens-
schluss mit den Schweden erfolgt erst 1645 in Kötzschenbroda.
Sachsen verliert im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges - auch wegen
sich häufender Pestjahre - etwa die Hälfte seiner Bevölkerung.
1694 - 1733 Herrschaftszeit des Kurfürsten Friedrich August I. ("der Starke"),
der - um in den Besitz der polnischen Königskrone zu gelangen -
1697 zum Katholizismus übertritt. Das Land erlebt einen wirtschaft-
lichen und kulturellen Wieder- aufstieg, der sich u. a. in den Dresdner
Barockbauten und der Gründung der Meißner Porzellanmanufaktur
(1710) manifestiert.
1733 - 1763 In Sachsen und Polen herrscht Friedrich August II. Wiederholt kommt
es zu Auseinandersetzungen zwischen Sachsen und Preußen, in deren
Gefolge Sachsen Einfluss, Territorium und schließlich die polnische
Krone verliert.
1806 - 1815 Während der Napoleonischen Kriege wechselt Sachsen ein weiteres
Mal die Fronten. Anfangs gegen die Franzosen kämpfend, steht
Friedrich August III. - nach zwischenzeitlichem Friedensschluss und
dem Beitritt zum Rheinbund mit der Königswürde ausgestattet - in der
Völkerschlacht zu Leipzig auf Seiten Napoleons, damit der Verlierer
und gerät selbst in Gefangenschaft. Auf dem Wiener Kongress 1815
tritt Sachsen dann zwei Drittel seiner Fläche sowie ein Drittel seiner
Bevölkerung an Preußen ab und wird Mitglied des Deutschen Bundes.
1813 In der Völkerschlacht bei Leipzig stehen die Sachsen mit ihren grün-
weißen Fahnen auf der falschen Seite. Sie kämpfen mit Napoleon
Bonaparte und verlieren.




Souveränes Königreich Sachsen (1815 - 1871)


19.10.1817 Mit der Auflösung der Lausitzer Stände wird die Lausitz auch
administrativ an Sachsen angegliedert.
1817 Das Geheime Consilium wird als oberste Regierungsbehörde durch
das Geheime Kabinett abgelöst.
1818 Die Stiftsregierung in Wurzen wird aufgelöst, womit auch dieses
ehemals bischöfliche Territorium voll in Sachsen integriert wird.
13.11.1819 Trotz der Umsetzung der Frankfurter Beschlüsse unter konservativer
Regierung kommt es in Sachsen nicht zu Demagogenverfolgungen.
05.05.1827 König Friedrich August I. stirbt. Nachfolger wird sein konservativer
Bruder Anton (1827 - 1836).
25.06.1830 Unruhen zu den 300-Jahrfeiern der Augsburgischen Konfession
unter der protestantischen Bevölkerung gegenüber dem katholischen
Hof.
18.09.1830 Nach Unruhen in Leipzig und Dresden wird Friedrich August zum
Prinz-Mitregenten ernannt. Der konservative Kabinettsminister
D. von Einsiedel tritt zurück, der liberale B. A. von Lindenau wird
sein Nachfolger. Er stellt die Ordnung auf dem Verhandlungswege
wieder her und eine Verfassungsausarbeitung in Aussicht.
04.09.1831 Ein Jahr später tritt die liberale Verfassung in Kraft, mit der Sachsen
erstmals zu einer unteilbaren konstitutionellen Monarchie wird, in
der gewisse Grundrechte garantiert werden. Der Landtag wird in
zwei Kammern gegliedert und mit der alleinigen Gesetzgebungsmacht
ausgestattet, also eine Gewaltenteilung durchgeführt.
Gleichzeitig (24.09.) wird aber auch das Zensuswahlrecht eingeführt.
01.12.1831 Weiterhin werden die sich in ihren Kompetenzen überschneidenden
Zentralbehörden Geheimes Kabinett, Geheimer Rat, Landesregierung
und Geheimes Finanzkollegium durch sechs Fachministerien ersetzt.
Ernannt werden deren Minister zwar vom König. Sie sind aber dem
Landtag rechenschaftspflichtig und werden unter Vorsitz eines
Staatsministers als Gesamtministerium geleitet.
09.12.1832 Nachdem die Erbuntertänigkeit der Oberlausitz aufgehoben wurde
(01.04.), wird nun die rechtliche Gleichstellung mit den Erblanden
durchgeführt.
01.01.1834 Wirksamwerden des am 18.03.1833 erfolgten Beitritts Sachsens
zum Deutschen Zollverein, als dem einheitlichen gesamtdeutschen
Wirtschaftsraum.
24.01.1835 Vollständige Gleichstellung der Oberlausitz mit den Erblanden und
Aufhebung ihrer gesonderten Provinzialverfassung.
1835 Erstes Dampfschiff auf der Elbe
06.06.1836 König Anton stirbt. Nachfolger wird der bisherige Prinz-Mitregent
Friedrich August II. (1836 - 1854), der nun zunehmend konser-
vativere Ansichten vertritt.
1839 Die erste deutsche Eisenbahnfernverbindung zwischen Leipzig
und Dresden wird eröffnet.
09/1843 Nach Entlassung Ersetzung des liberalen B. A. von Lindenau durch den
konservativen J. T. J. von Könneritz wird die Zensur verschärft.
1845/47 Missernten (1845/46) und Wirtschaftskrise (1847) begünstigen die Entstehung
radikaler Gruppierungen.
13.03.1848 Entlassung des konservativen Ministeriums nach mehreren diesbezüglichen
Adressen an den König seitens der Leipziger Stadtverordneten und des
Radikalen Robert Blum und Bildung eines liberalen 'März-Ministeriums' unter
Dr. A. K. H. Braun.
1848/1849 Nach Ablehnung der Frankfurter-Paulskirchen-Verfassung für Sachsen und
der Auflösung des Landtages durch den sächsischen König Friedrich August II.
kommt es zu bewaffneten Unruhen, die mit Hilfe preußischer Truppen nieder-
geschlagen werden.
1854 König Friedrich August II. verunglückt tödlich in Tirol. Neuer König wird sein
Bruder Johann (1854 - 1873).
1866 Im "Deutschen Krieg" verliert Sachsen an der Seite Österreichs und tritt in der
Folge dem Norddeutschen Bund bei.



Monarchie im Deutschen Reich (1871 - 1918)

 

1870 - 1900 Sachsen steigt mehr und mehr zum führenden deutschen Indus-
trieland auf; 58% der Bevölkerung sind in der Industrie (deutscher
Durchschnitt: 39%), 14% (25%) im Handel und 15% (36%) in der
Landwirtschaft beschäftigt.
1871 Sachsen wird Teil des neugegründeten Deutschen Reiches.
26.03.1872 Hochverratsprozess gegen die führenden Sozialdemokraten
A. Bebel und W. Liebknecht endet mit je zwei Jahren Festungshaft.
1873 Die deutsche Mark wird eingeführt, die Landeswährungen
abgeschafft.
15.04.1873 Das durch das Konsistorialgesetz geschaffene Landeskonsistorium
stellt eine unabhängige oberste Behörde der Evangelisch-Luthe-
rischen Kirche und damit einen ersten Schritt zur Trennung von
Kirche und Staat dar, während die katholische Kirche weiterhin
dem Staat untersteht.
29.10.1873 König Johann stirbt in Pillnitz. Nachfolger wird sein ältester Sohn
Albert (1873 - 1902), der Kontakte mit den Kaisern von Deutsch-
land und Österreich, Wilhelm II. und Franz Joseph sowie den
führenden preussischen Staatsmännern O. von Bismarck und
H. von Moltke pflegt.
10.01.1874 / 1877 Wahl von A. Bebel, W. Liebknecht und sieben weiteren Sozial-
demokraten in den deutschen Reichstag.
01.10.1879 Das Reichsgericht wird mit Sitz in Leipzig höchster Gerichtshof
des Deutschen Reiches.
1891 Landtagswahlen ergeben trotz geltenden Zensuswahlrechts einen
Wahlsieg für die Sozialdemokraten.
28.03.1896 Allgemeines indirektes Dreiklassenwahlrecht durch Landtags-
wahlgesetz.
19.06.1902 König Albert stirbt in Sybillenort/Schlesien. Nachfolger wird sein
Bruder Georg (1902 - 1904).
15.10.1904 König Georg stirbt in Pillnitz. Nachfolger wird sein ältester Sohn
Friedrich August III. (1904 - 1918).
25.01.1909 Neues Wahlgesetz (gültig ab 5. Mai): Dreiklassenwahlrecht durch
Mehrstimmenwahlrecht (max. 4 Stimmen nach Bildung, Besitz
und Alter) ersetzt.
18.10.1913 Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig unter An-
wesenheit des sächsischen Königs, des russischen Kaisers
Nikolai II. und anderer Monarchen.
01.08.1914 Beginn des Ersten Weltkrieges; die gesamte sächs. Armee wird
als 3. Dt. Armee unter Max von Hausen eingesetzt und nimmt
u. a. an der Marne-Schlacht (05. - 12.09.1914) teil; Gesamt-
bilanz des Krieges für Sachsen: 210.000 Gefallene, 19.000 Ver-
misste von 750.000 Soldaten bei insgesamt 5 Mill. Einwohnern.
01.05.1916 Friedensdemonstrationen und Streiks in Dresden, Leipzig und
Pirna, später auch in Chemnitz.
02/1918 Im Januar beginnend werden unter Mitwirkung der ‘Spartakus-
gruppe’ Streiks im gesamten Reichsgebiet organisiert, die im
Februar auch auf Dresden und Leipzig übergreifen; König Fried-
rich August III. setzt sich für einen Verständigungsfrieden ein
und tritt damit in Konflikt mit der Obersten Heeresleitung des
Deutschen Reiches.
05.11.1918 Der bisherige Justizminister Rudolf Heinze übernimmt nach
Rücktritt aller Staatsminister (23. - 26.10.) die Regierung.
Tags darauf wählen 3.000 Soldaten der Großenhainer Flieger-
kaserne den ersten Soldatenrat Sachsens als Antikriegsorgan.
08.11.1918 Massendemonstrationen u.a. in Dresden, weitere Arbeiter- und
Soldatenräte bilden sich in Leipzig und Chemnitz; am folgenden
Abend werden das Generalkommando des Heeres, das Polizei-
präsidium und die Regierungsgebäude von Demonstranten besetzt.
Der König begibt sich nach Schloss Moritzburg, nachdem der
Arbeiter- und Soldatenrat, aus USPD und Spartakusgruppe
bestehend, die Macht übernommen hat.
10.11.1918 Der neugebildete Vereinigte revolutionäre Arbeiter- und Sol-
datenrat (Rechte, Zentrum, SPD) erklärt den König für abgesetzt
und die Monarchie für beseitigt. Im Zirkus Sarrasani wird durch
Fleißner (SPD) die Republik ausgerufen.
13.11.1918 Förmliche Abdankung Friedrich Augusts III. auf Schloss Guten-
born bei Ruhland.
28.11.1918 Einführung des allgemeinen, gleichen, unmittelbaren und ge-
heimen Verhältniswahlrechts für Männer und Frauen über
21 Jahren.


Sachsen in der Weimarer Republik (1919 - 1945)


25.02.1919 Konstitutierung der Volkskammer und Rücktritt der Volks-
beauftragten; eine vorläufige Verfassung wird am 28.02.
beschlossen, erstmals wird das Amt des Ministerpräsidenten
geschaffen.
1919 Mehrere Streiks und blutige Unruhen haben im Verlauf des
Jahres die mehrmalige Verhängung des Ausnahmezustands zur
Folge und können nur durch Reichstruppen beendet werden.
05/1919 Endgültige Trennung von Kirche und Staat
11.08.1919 Inkrafttreten der Reichsverfassung, Verlust der sächsischen
Militärhoheit
01.11.1920 Die am 26.10. in der Volkskammer angenommene Verfassung
tritt in Kraft; Sachsen wird eng an das Deutsche Reich gebunden
und verliert u. a. Eisenbahn- und Finanzhoheit.
27.09.1923 Verhängung des Ausnahmezustandes im Deutschen Reich nach
Ausschreitungen infolge der Inflation
18.02.1932 Der letzte König von Sachsen, Friedrich August III. stirbt auf
Schloss Sybillenort (Schlesien).
30.01.1934 Auflösung des Landtages per Reichsgesetz, Unterstellung der
Landesregierung unter die Reichsregierung unter Abtretung der
Hoheitsrechte (Aufhören des staatsrechlichen Existenz des
Freistaates)
1944/1945 Im 2. Weltkrieg richten anglo-amerikanische Bombenangriffe
schwere Zerstörungen an.



Sachsen seit 1945

 

04 /1945 Besetzung durch sowjetische, teilweise auch amerikanische
(bis 01.07.1945) Truppen
28.02.1947 Beschluss der neuen Verfassung des Landes Sachsen im
Landtag
07.10.1949 Mit Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)
wird Sachsen Land der DDR.
23.07.1952 Auflösung der Länder der DDR im Rahmen einer Ver-
waltungsreform. Sachsen wird in die Bezirke Dresden, Leipzig
und Chemnitz (1953 - 1990: Karl-Marx-Stadt) aufgeteilt.
1989 Demonstrationen (‘Montagsdemos’) in Leipzig und Dresden
gegen die SED-Regierung der DDR
03.10.1990 Mit der Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik
Deutschland wird der Freistaat Sachsen neugegründet.
08.10.1990 Vereidigung des Kabinetts unter dem am 27.10. im Landtag
gewählten Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf
06.06.1992 Inkrafttreten der Verfassung des Freistaates Sachsen
11.09.1994 Landtagswahlen, Kurt Biedenkopf wird erneut Kabinettschef
in Sachsen
18.04.2002 Georg Milbradt wird neuer Ministerpräsident
19.09.2004 Bei den Landtagswahlen verliert die CDU ihre absolute Mehrheit.
Es kommt zur Koalition mit der SPD. Georg Milbradt wird am
10.11. im Amt des Ministerpräsidenten bestätigt.
14.04.2008 Georg Milbradt kündigt die Übergabe seier Ämter als Regierungs-
chef und Parteivorsitzender der sächsischen CDU zum 24. bzw.
28.05. an.
28.05.2008 Stanislaw Tillich (CDU) wird neuer Ministerpräsident des Frei-
staates Sachsen.



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